Zwischen E-World und Tetraeder

Eine Reise in den Ruhrpott.

Ich bin im Grunde bekannt dafür, dass ich kaum aus Offenbach raus komme und das mein Einzugsradius nicht wirklich der Größte ist. Jedoch im Rahmen dessen, dass ich dieses Jahr einiges anders machen möchte (ohne das Ziel 'Bus'  aus den Augen zu verlieren) nutze ich aktuell die kleinen Gelegenheiten zum Verreisen.

Anlass meiner Reise war die E-World (energy&water) 2018, welcher der Kongress in Deutschland ist, wenn es sich rund um die Themen Energie und Wasser handelt, was aus beruflichen Gründen genau mein Thema ist - also auf nach Essen.

Natürlich hörte ich im Vorfeld, das Essen selbst noch wesentlich mehr zu bieten hat, als nur ein nettes Kongress-/Messezentrum. Durch ein YouTube Video von Juli Pott konnte ich schon mal einen Blick auf den Tetraeder werfen, jedoch dazu nachher mehr.

Um es einfacher zu halten und weil ich merke, ich schreibe zu viel, unterteile ich den Artikel, weil ich kaum glauben mag, das jemand so viel und so genau das alles wissen will.

Wer nun nur Bilder sehen mag, der klicke auf "Bilder Übersicht", ansonsten dürfen die Quellen Junkies auf "Quellen Verzeichnis" klicken und allen anderen, viel Spaß mit dem Rest. :)

Tag 1 - Abfahrt - Ankommen - Essen

Die Fahrt an und für sich verlief entspannt, vor allem entspannter als ich Hessen hinter mir gelassen hatte. (Dort herrscht - gefühlt - immer mehr Krieg auf der Straßen).

Das B&B BonnaNotte war schnell gefunden. Entgegen der Erfahrungen, die ich mit der Navigationsapp von OpenStreetMap gemacht hatte, kam ich ohne Umwege dort an und dank dem mir zuvor zugeschickten Türcode konnte ich auch ohne Rezeptionist entspannt einchecken.

Kurz nach dem ich mein mit genommenes Hab und Gut aufs Bett geworfen und in jeglichen Wifi-fähigen Geräten den lokalen Hotspot eingerichtet habe, ging es Richtung Essen City. Vom B&B aus war das recht leicht zu erreichen, es fuhr nur eine Tram Richtung Innenstadt, was mir zugute kam - easy peasy.

Der Erste Eindruck, nach dem Ausstieg beim Berliner Platz, war  'ach mal wieder eine Einkaufsmall', als würde die es nicht schon in Massen überall geben. Nun, ich hatte diese hinter mir gelassen und wanderte erstmals etwas Ziellos umher. Dank des schönen Wetters war es mir auch recht egal wo ich ankam, ich freue mich über den blauen Himmel und unbekanntes Terrain.

Essen hat ein bisschen was von Offenbach am Main, mit einer schönen und angenehmen Vielfaltdichte. Nach gut 20 Minuten laufen entdeckte ich gleich einen Fotoladen für alte Kameras, die Foto-Börse (FB Link). Dies ist ein kleines Geschäft zum An-/Verkauf von alten Kameras und Objektiven. Da mir noch ein Weitwinkel Objektiv fehlte, fragte ich dort nach und sie hatten eines - ein Konica Hexanon AR 28mm F3.5. 

Ich entdeckte bei meinem Rundgang noch das eine oder andere schöne Motiv zum Ablichten, unter anderem die Kreuzeskirche, das Essener Rathaus und einige weitere.

Natürlich durfte der obligatorische Pommes-Test nicht fehlen, der zu meiner absoluten Zufriedenheit ausfiel. (letztes Bild)

Bilderreihe Essen

Als die Nacht sich senke, war es für mich auch schon wieder Zeit zurückzukehren, da es am nächsten Tag zur E-World ging. Als ich wieder in der Unterkunft ankam, bemerke ich erst, das schräg gegenüber meinem Zimmer es auch einen Raucherraum gab. Diese Verabscheue ich eigentlich, weil rauchen in Räumen mir suspekt vorkommt - so dann nutze ich doch diesen.

Bisher kannte ich von meinen Berlin Reisen es so, das ich Abends meistens irgendwen, an der Hotelbar oder in der -lounge, kennengelernt habe, mit dem sich nett unterhalten kann. Ich mag es mich ab und an, vor allem wenn ich nicht muss, mich mit fremden Menschen zu unterhalten, meistens kommen so spannende Charaktere zum Vorschein. Nun, da es hier weder das eine noch das andere gab, blieb ich mit meinem Buch im Raucherzimmer, rauchte, hörte Jazz und las.

Nach gut einer Stunde öffnete sich die Zimmertür und zwei ältere Herren kamen herein. Der trug einen Sixpack Bier unter dem Arm, sonnengebräunt, einen Bart wie Hulk Hogan, hoch wachsen und der andere, nun, eher das Gegenteil. Nach einigen Minuten und aufgrund des Fehlens eines Flaschenöffners kamen wir ins Gespräch und nach dem wir ein Feuerzeug gefunden hatten und mehrfache "plop" den Raum ertönten, erklären wir uns gegenseitig unsere Berufe. Beide arbeiten als Sicherheitspersonal-Anweiser für Messen, zum Regeln der Zufahrten und Abfahrten der Besucher. Diesmal für die Messe Essen, bzw. für die E-World, so durch kamen wir schnell auf andere Themen, die aktuell bewegen, E-Autos, sind unsere Netze sicher und div. andere Themen. Ich mag so Abende, denn somit kann man sein kleines Gedankenuniversum verlassen und gewissen Themen aus anderen Blickwinkel betrachten, weit außerhalb der eignen Filterbubble.

Tag 2 - E-World - Energie - Eindrücke

Der zweite Tag starte ruhig, da ich nicht vorhatte mich direkt zur E-World zu hetzen, weil es der letzte Tag des Kongresses war und die meistens Aussteller eh schon fertig mit der Welt sind, muss ich nicht auch noch wie ein HB-Männchen durch die Gegend springen, das mag niemand, der schon mal drei Tage am Stück eine solche Messe begleitet hat.

Die Messe umfasste um die 750 Aussteller unter anderem auch die Firma, für die ich arbeite und auch für die ich vor etlichen Jahren gearbeitet habe. Die E-World ist, wenn man es so nimmt eine pure Netzwerk-Veranstaltung und ein Klassentreffen, den die Energiewirtschaft ist auch nicht so groß und im Vergleich zum Fußball wird auch üblich abgeworben, weitergeben usw. - ein bunter kleiner Haufen halt.

Das schöne war, direkt zum Betreten der Messe habe ich eine alte Kollegin aus der Direkt-Vertriebszeit entdeckt, als ich noch 'Key-Assistent for Key Account-Management' war - die Spanier lieben Titel die kaum auf eine Visitenkarte passen. Wir erkannten uns direkt wieder, erzählten von Kollegen die gingen, die kamen und die jetzt die Karriere-Leiter hoch und runter gegangen sind. Dieses Thema hatte ich noch einige male an dem Tag, mit Ex-Kollegen und neuen Bekanntschaften, wie schon gesagt, es ist wie im Fußball - nur die Prämien sind etwas schmaler.

Dieses Jahr stand vor allem das Thema 'Smart City' im Vordergrund. Nicht verwunderlich nach dem neuen Messstellen Betriebsgesetz (MsBG), dies quasi den Grundstein dafür - gesetzlich - legte. Es gab etliche interessante Vorträge, angefangen von 'Visionen 2025 für eine moderne Energiewirtschaft', deren "Reallife Kommentarspalte", die Fragenden bei dem Vortrag eigentlich nur das Thema GroKo behandelte, bis hin zu Vorträgen von Personalabteilungen, die einstimmig erzählten das Assessment-Center mittlerweile völlig uninteressant wären, wichtiger sei es, selbst wenn der Lebenslauf nicht stringent sei, diesen gut zu klären, hier passt der alte Satz "erkläre was Du kannst, den Rest lass weg".

Etliche Gespräche später über das was die Energiewirtschaft sein soll und was sie ist, was die Auswirkungen der Marktlokation und Messlokation in Bezug auf Messstellenbetreibern sind, verließ ich die Messe. Dankenswerterweise fragte mich niemand, ob ich einen neuen Job suchen würde. Aktuell sind ganz andere Probleme in der Energiewirtschaft zu bewältigen. Nach dem ich mich bei jeglichem EVU verschiedet habe, mit dem gesprochen habe, ging es wieder Richtung Hotel - nun nicht ganz, da ich am nächsten Tag zu den Zeche Zollwerken wollte, konnte ich es mir nicht nehmen lassen, dort zur blauen Stunde vorbei zu fahren.

Bilderreihe E-World

 

Tag 3 - Tetraeder

Die Planung des Tages legte ich bereits am Vortag fest, jedoch warf diese ich schnell wieder über den Haufen. Eigentlich wollte ich zum Sonnenaufgang zur Zeche, jedoch dank meiner neu gewonnen Gemütlichkeit hatte ich diesen verpasst und fuhr doch erst mal zum Tetraeder.

Der Tetraeder oder wie es auch richtig heißt 'Haldenereignis Emscherblick', liegt auf einer Halde. Eine Halde ist eine künstliche, aber auch jede natürliche Anhäufung oder Aufschüttung von Material oberhalb der umgebenden Geländeoberfläche.

Ein Blick die 387 Stufen hinunter

Die Halde selbst liegt 120m über NN und das Kunstwerk an sich ist selbst noch mal eine Seitenlänge von 60m.

Der Tetraeder von weitem.

Der Tetraeder ist eine geometrisches Kunstwerk vom Architekt Wolfgang Christ. Wenn man noch auf dem unteren Teil der Halde steht, wirkt das erst mal alles gar nicht so groß. Jedoch wenn man die letzten Stufen erklimmt, bietet sich einem ein unfassbares Bild, es hat schon etwas von einer Mondlandschaft oder wie ich es auf Instagram beschrieben habe "Hello Mars".

Marslandschaft

Vom obersten Punkt des Kunstwerkes hat man einen wunderbaren Rundumblick, der fotografisch gar nicht so festzuhalten war, gerade bei wolkenfreien Himmel das ist ein Besuch wert. Nach dem Abstieg vom Kunstwerk und der Halde, ging es direkt weiter zur Zeche.

Bilderreihe Tetraeder

 

Tag 3 - Zeche Zollverein

Die Zeche Zollverein umfasst eine Fläche von ca. 100 Hektar und bietet einen Einblick in die Koks-Industrie. Sie gehört unter anderem, seit 2001 zum UNESCO Welterbe.

Neben den Industrieanlagen finden sich dort auch Cafés, Restaurants, Kunstwerkstätten und Räume für Ausstellungen. Zum Zeitpunkt meines Besuches befand sich die Ausstellung "ALLE WOLLEN WOHNEN. Gerecht. Sozial. Bezahlbar" dort, die gerade in Anbetracht der aktuellen Wohnungssituation in Offenbach und Frankfurt sehr interessant war.

Auf dem Gebiet der Zeche selbst gibt es einen Rundgang, der durch eine Markierung am Boden die Besucher über das Gelände führt. Die Gesamtstrecke beträgt ca. 3,5km und man kann dort sich gemütlich dem Charme der alten Industrie hingeben. Ich hätte alle 500m Bilder aufnehmen können, jedoch würde ich, wenn ich alle Bilder hier zeigen würde, den Rahmen absolut sprengen.

 

Deswegen hier eine Auswahl an Bildern, die ich selbst für pragmatisch zeigenswert halte.

 

Tag 3 - Ausstellung ALLE WOLLEN WOHNEN"

Die vorhin erwähnte Ausstellung behandelt die Geschichte des Wohnens, rechtliches und darüber hinaus die Frage vorhin unsere Wohnkultur geht. Sie ist vom Museum für Architektur und Ingenieurkunst NRW ausgerichtet. Die Ausstellung wandert durch verschiedene Örtlichkeiten.  Für weitere Informationen empfehle ich Webseite zur Ausstellung.

Um einen Eindruck vermitteln, hier eine Übersicht der Themenräume.

 

Tag 3 / 4 - Abreise"

 

Nach diesem doch sehr langen Tag, mit vielen schönen Eindrücken, tollen Bildern und dem Wissen im Hinterkopf, fuhr ich zufrieden in die Unterkunft. Der Abend an und für sich gestaltete sich ruhig, da ich eh angefüllt mit Endrücken war.

Am vierten Tag, lag nur noch ein Besuch an, das Unperfekthaus Essen, was eine wilde Mischung aus Hotel, Co-Workingspace, Cafébar und Kreativ-Raum ist. Hier konnte ich mich des freien WLANs erfreuen und für den Eintrittspreis von sechs Euro so viel Kaffee wie ich wollte - ein Träumchen. Jedoch war dann auch die Zeit gekommen abschied zu nehmen. Die Rückfahrt brachte den einen oder anderen Stau mit sich. Mein herausgesuchtes Zwischenziel war das Fashion Outlet Montabaur, erwies sich für mich mehr als Reinfall als alles andere. In Mitten des Konsumwahns, der um mich herrschte, fand ich nichts was mich ansprach. Selbst für kleines Geld und nur weil etwas günstig ist, muss ich nicht mein Hirn ausschalten.

Die Restlichen 120km Heimweg waren zum Glück unaufregend, selbst die Autobahnen in Hessen.

 

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